Teil I — Warum strako.net?

Das Problem

Digitale Plattformen sind heute fast ausnahmslos privatkapitalistisch organisiert. Sie werden gegründet, um Geld zu verdienen, brauchen Investoren, die Geld einsetzen, und entwickeln sich entlang der Erwartung dieser Investoren — nicht entlang des Bedarfs ihrer Nutzer. Aus diesem Grundgegensatz ergeben sich die meisten Probleme, die heute mit Plattformen verbunden sind.

Werbung und Datenhandel. Wer einen Dienst nicht direkt verkauft, verkauft etwas anderes — die Aufmerksamkeit oder die Daten der Nutzer. Werbung wird in Diensten platziert, Verhalten wird ausgewertet, Profile werden weitergegeben oder zur Optimierung der Werbeauslieferung verwendet. Das ist keine moralische Verfehlung einzelner Anbieter, sondern eine strukturelle Notwendigkeit ihres Geschäftsmodells. Ein gewinnorientiertes Unternehmen, das einen Dienst kostenlos oder günstig anbietet, muss seine Einnahmen woher bekommen.

Ausrichtung auf Wachstum statt Bedarf. Investoren erwarten Renditen. Eine Plattform, die ihren Bedarf erfüllt und nicht weiter wachsen will, ist für sie uninteressant. Daraus folgt eine permanente Wachstumserwartung, die sich auf Funktionsumfang, Nutzerzahlen und Marktanteile überträgt. Was Nutzer ursprünglich an einer Plattform mochten, wird oft im Lauf der Zeit verändert oder verdrängt — nicht weil die Nutzer es wollten, sondern weil das Wachstum es erforderte.

Verkauf und Übernahme. Eine Plattform, die in Privatbesitz ist, kann verkauft werden. Sie wird verkauft, wenn die Eigentümer aussteigen wollen — und damit ändert sich oft alles, was die Nutzer geschätzt haben. Verkäufe gehören zur Logik dieses Modells; sie sind nicht die Ausnahme.

Einstellung von Diensten. Was sich nicht mehr rechnet, wird abgeschaltet. Viele Nutzer haben das schon erlebt: ein Dienst, auf den sie sich verlassen hatten, ist plötzlich weg, oft mit kurzer Vorankündigung. Auch das ist keine Bösartigkeit, sondern Konsequenz daraus, dass die Plattform für die Eigentümer da war, nicht für die Nutzer.

Diese vier Phänomene sind keine Auswüchse, sondern Funktionsweisen. Sie ergeben sich notwendig daraus, wem die Plattform gehört und wofür sie betrieben wird.

Was die bestehenden Alternativen lösen — und was nicht

Es gibt Versuche, dem etwas entgegenzusetzen. Open-Source-Projekte machen Code transparent und unabhängig vom Anbieter. Kleine Anbieter werben damit, anders zu sein als die großen. Genossenschaften setzen auf gemeinschaftliches Eigentum.

Jede dieser Alternativen löst einen Teil des Problems, aber keine alle:

  • Open-Source-Projekte haben oft keinen strukturierten Weg, Nutzer zu finden und Bedarfe einzubringen. Sie entstehen aus der Initiative von Entwicklern, nicht aus dem Bedarf späterer Nutzer. Viele bleiben deshalb unbenutzt, obwohl sie technisch gut sind.
  • Kleine Anbieter sind weiterhin Unternehmen mit eigenen Interessen. Auch sie können verkauft werden, ihre Preise erhöhen oder eingestellt werden.
  • Genossenschaften lösen das Eigentumsproblem, sind aber organisatorisch schwerfällig und haben keinen vorgesehenen Weg, neue Dienste schrittweise und demokratisch finanziert entstehen zu lassen.

strako.net versucht, diese Lücke zu schließen — indem es die Stärken der drei Ansätze kombiniert und sie in ein Verfahren gießt, das funktioniert.