Die Idee
strako.net ist eine Domäne, innerhalb derer Online-Dienste entstehen, betrieben und besessen werden — nach vier Prinzipien. Diese Prinzipien gelten gleichzeitig und dauerhaft. Andere Werte (Werbefreiheit, kein Datenhandel, Open Source als Präferenz) ergeben sich aus ihnen, sind also Folgen, nicht eigenständige Grundsätze.
Bedarfsorientierung. Dienste entstehen, weil Menschen sie brauchen. Bedarfsorientierung bedeutet konkret: Bevor an einem Dienst gebaut wird, ist der Wunsch öffentlich gemacht und mit anderen Wünschen abgeglichen. Bevor ein Dienst startet, ist klar, dass genug Nutzer ihn auch tatsächlich nutzen werden. Niemand spekuliert auf einen Markt, der sich vielleicht ergibt. Daraus folgen zwei aufeinander folgende Stationen: die Wunschbox (Kapitel 7) als offener Sammelplatz und die Bedarfsbörse (Kapitel 8) als Tragfähigkeitsprüfung vor dem Live-Gang.
Transparenz. Alle wichtigen Vorgänge sind offen einsehbar. Was ein Dienst kostet, woher das Geld kommt, wer welche Entscheidung getroffen hat. Transparenz ist nicht Selbstzweck, sondern Voraussetzung für demokratische Kontrolle. Wer mitentscheiden soll, muss sehen können, worüber entschieden wird. Dazu gehört, dass auch unangenehme Sachverhalte nicht verschwiegen werden — etwa wenn ein Dienst sich nicht trägt oder ein Projekt nicht freigegeben wird.
Demokratische Entscheidung. Über die Verwendung der Fördermittel, über die Entwicklung neuer Dienste und über grundsätzliche Fragen entscheiden die Mitglieder gemeinsam. Niemand kann über die Köpfe der Gemeinschaft hinweg etwas durchsetzen — auch der Vorstand des Vereins nicht. Demokratische Entscheidung ist hier nicht nur formales Verfahren, sondern strukturelle Garantie: Sie verhindert, dass die Plattform von einer kleinen Gruppe geführt wird, deren Interessen sich von denen der Mitglieder unterscheiden.
Kollektiver Besitz. Die Dienste gehören dauerhaft dem Verein und damit seinen Mitgliedern. Sie können nicht verkauft, übernommen oder einem fremden Interesse unterworfen werden. Aus diesem Prinzip folgen die strukturellen Eigenschaften, die strako.net von gewöhnlichen Anbietern unterscheidet: keine Investoren, keine Werbung, kein Datenhandel. Diese Folgen sind nicht zu erreichen, indem man sie sich vornimmt — sie ergeben sich nur, wenn das Eigentumsverhältnis selbst verändert ist.
Warum gerade diese vier?
Andere Werte, die strako.net auszeichnen, lassen sich aus diesen vier ableiten. Werbefreiheit folgt aus kollektivem Besitz — wer keinen Eigentümer hat, der Geld verdienen will, hat keinen Grund für Werbung. Solidarität folgt aus demokratischer Entscheidung — die Gemeinschaft entscheidet, wie sie mit kleinen und großen Diensten umgeht. Verlässlichkeit folgt aus Bedarfsorientierung — wer nur das baut, was gebraucht wird, betreibt es auch dauerhaft.
Die vier Prinzipien sind konstitutiv, weil das Modell ohne eines von ihnen zerfällt. Ohne Bedarfsorientierung würde wieder spekulativ gebaut. Ohne Transparenz wäre demokratische Kontrolle unmöglich. Ohne demokratische Entscheidung könnte eine Führungsschicht das Modell unterwandern. Ohne kollektiven Besitz wäre alles immer wieder verkaufbar.