Teil III — Wie funktioniert strako.net?

Projektfinanzierung

Die Vergabe von Mitteln aus dem Fördertopf ist die zentrale Steuerung der Plattform. Sie ist kein einzelnes Ereignis, sondern ein laufender Prozess: Mitglieder priorisieren fortlaufend, was als nächstes umgesetzt werden soll. Dieses Kapitel beschreibt, wie das im Detail abläuft — von der Projektbeschreibung über die Prüfung bis zur Freigabe.

Was eine Projektbeschreibung enthält

Ein Projekt ist in Kapitel 8 als vollständiger Lebenszyklus eines Dienstes oder einer Erweiterung beschrieben. Damit Mitglieder informiert entscheiden können, enthält die Projektbeschreibung im Detail:

  • Welche Aufgabe gelöst werden soll und welchen Wunsch sie aufgreift
  • Welche Schritte konkret unternommen werden — von Konzeption über Entwicklung bis zur Bedarfsbörse und zum Live-Gang
  • Wer die Arbeit ausführt
  • Wie viele Stunden oder welcher Betrag dafür veranschlagt sind
  • Was am Ende des Projekts vorliegen wird
  • Wie das Projekt mit anderen Projekten zusammenhängt (etwa als Erweiterung eines bestehenden Dienstes)

Projektbeschreibungen sind also keine vagen Wunschlisten, sondern konkrete Vorschläge mit klarem Umfang. Das macht es Mitgliedern möglich, eine informierte Entscheidung zu treffen.

Wer Projekte formuliert

Projekte werden vom Entwicklerteam der UG formuliert. Das Team kennt den eigenen Aufwand am besten und kann realistisch einschätzen, was in einem Projekt leistbar ist. Diese Tätigkeit ist Teil der bezahlten Entwicklungsarbeit.

Mitglieder, die nicht im Team arbeiten, formulieren keine Projekte selbst — sie bringen Wünsche in die Wunschbox ein, die das Team dann zu Projekten formt. Diese Trennung ist nicht hierarchisch gemeint, sondern arbeitsteilig: Wünsche äußern ist eine Sache, ein Projekt durchplanen eine andere.

Prüfung vor der Mitgliederabstimmung

Bevor ein Projekt zur Abstimmung kommt, wird es von zwei Stellen geprüft — jede in ihrem eigenen Zuständigkeitsbereich.

Der Vorstand des Vereins prüft, ob das Projekt legal ist und der Vereinssatzung entspricht. Diese Prüfung ist formal: Sie beantwortet die Frage, ob das Projekt überhaupt durchgeführt werden darf.

Die Geschäftsführung der UG prüft, ob das Projekt operativ umsetzbar ist und mit den Zielen der UG vereinbar. Diese Prüfung beantwortet die Frage, ob das Projekt im Rahmen der UG durchgeführt werden kann.

Beide Prüfungen betreffen das Wie, nicht das Ob. Die Frage, ob ein Projekt umgesetzt werden soll — die inhaltliche Wünschbarkeit, die Priorität gegenüber anderen Projekten — entscheiden ausschließlich die Mitglieder. Vorstand und Geschäftsführung sortieren nicht inhaltlich vor; sie verhindern nur, dass etwas zur Abstimmung kommt, was rechtlich unzulässig oder operativ unmöglich wäre.

Wie die Mitglieder entscheiden

Es gibt keine festen Abstimmungsrunden. Stattdessen läuft die Mitgliederbeteiligung fortlaufend: Mitglieder priorisieren die anstehenden Projekte gemeinsam. Sobald genug Geld im Fördertopf ist, um das nächstoberste Projekt zu finanzieren, wird es freigegeben und beginnt.

Diese fortlaufende Priorisierung ist näher am Charakter der Entscheidung, als es klassische Mehrheitsabstimmungen wären. Im Idealfall ist die Reihenfolge der Projekte nicht das Ergebnis eines plötzlichen Beschlusses, sondern einer öffentlichen Aushandlung — Mitglieder kennen die anstehenden Projekte, tauschen sich darüber aus, ändern ihre Einschätzung. Wenn ein Projekt freigegeben wird, ist das selten eine Überraschung, sondern die Bestätigung dessen, was sich bereits abgezeichnet hat.

Wie die Priorisierung im Detail funktioniert — wie viele Stimmen jedes Mitglied vergeben kann, wie aus den Einzelpriorisierungen eine gemeinsame Reihenfolge wird, welche Schwelle für die Freigabe gilt — wird im laufenden Aufbau gemeinsam erarbeitet. Der Grundsatz für den Anfang ist einfach: einfache Mehrheit, kein Quorum. Mitglieder können die Regeln im Lauf der Zeit anpassen.

Was Mitglieder sehen

Mitglieder haben jederzeit Einblick in den aktuellen Stand: Welche Projekte stehen an, wie sind sie priorisiert, wie viel Geld ist im Fördertopf, welche Projekte sind in Vorbereitung. Diese Transparenz ist Voraussetzung dafür, dass die Priorisierung überhaupt sinnvoll funktionieren kann — wer mitpriorisieren soll, muss sehen, worum es geht.

Jedes Projekt liegt in voller Form vor: Beschreibung, Begründung, Kosten, erwartetes Ergebnis. Wer Fragen hat, kann sie öffentlich stellen, das Team antwortet sichtbar.

Was passiert nach der Freigabe

Wenn ein Projekt freigegeben wird, werden die Mittel aus dem Fördertopf des Vereins als Kapitaleinlage in die UG übertragen. Die UG setzt das Projekt um. Nach Abschluss wird Bericht erstattet — was wurde gemacht, wie wurden die Mittel verwendet, was ist erreicht. Diese Berichte sind transparent für alle Mitglieder einsehbar.

Projekte, die in der Priorisierung weiter unten stehen, bleiben dort. Sie können später hochrutschen, wenn neue Wünsche sie wichtiger erscheinen lassen — oder herausfallen, wenn sie ihren Sinn verlieren oder durch andere Projekte überholt werden.

Die Mitgliederversammlung als letzte Instanz

Über die Freigabe einzelner Projekte entscheiden Mitglieder in der laufenden Priorisierung. Über grundsätzliche Fragen — etwa Änderungen am Modell selbst, Neuausrichtungen, Auflösungen — entscheidet die Mitgliederversammlung. Sie ist die letzte Instanz und kann auch über alles entscheiden, was nicht in die laufende Priorisierung passt.