Teil II — Wie ist strako.net aufgebaut?

Die Geldströme

Wer strako.net wirklich verstehen will, muss die Geldströme verstehen. Sie sind das Skelett, an dem alles andere hängt. Dieses Kapitel beschreibt, wie das Geld fließt, woher es kommt, wofür es verwendet wird und welche Trennungen dabei konstitutiv sind.

Drei voneinander getrennte Geldströme

Es gibt drei Geldströme. Sie haben unterschiedliche Quellen, unterschiedliche Verwendungen und sind organisatorisch wie buchhalterisch getrennt voneinander.

MitgliedsbeiträgeMitglieder5 €/MonatVereinOrganisation, SchulungZuwendungenZuwenderfreiwilligFördertopfEntscheid: MitgliederEntwicklungNutzerbeiträgeNutzerpro DienstBetriebMail, Cloud, …

Mitgliedsbeiträge finanzieren den Verein. Aus ihnen wird die Vereinsorganisation getragen, die Schulung und Begleitung der Mitglieder bezahlt, die formale Vereinsarbeit geleistet. Mitgliedsbeiträge fließen ausschließlich in den Verein, nicht in die UG, nicht in den Fördertopf, nicht in den Betrieb der Dienste.

Zuwendungen in den Fördertopf finanzieren die Entwicklung neuer Dienste und neuer Features. Zuwendungen sind freiwillig und werden separat gesammelt. Sie werden ausschließlich für die Entwicklung verwendet — nicht für den laufenden Betrieb, nicht für die Vereinsorganisation, nicht für die Geschäftsführung der UG. Empfänger der Zuwendungen ist der Verein, der die Mittel verwaltet; über ihre Verwendung entscheiden die Mitglieder demokratisch (siehe Kapitel 9).

Der Begriff „Zuwendung" wird bewusst gewählt. Der Verein ist nicht gemeinnützig, deshalb sind die Beiträge keine Spenden im steuerlichen Sinne — es gibt keine Spendenquittung. Was eine Zuwendung in diesem Modell bedeutet, ist auf der Seite Finanzierung ausführlicher beschrieben.

Nutzerbeiträge finanzieren den laufenden Betrieb der Dienste. Wer einen Dienst nutzt, zahlt seinen Anteil an dessen Kosten. Jeder Dienst muss sich aus seinen eigenen Nutzerbeiträgen tragen — nicht aus Zuwendungen, nicht aus Mitgliedsbeiträgen, nicht aus Querfinanzierungen anderer Dienste (zur Ausnahme siehe weiter unten).

Warum diese Trennung konstitutiv ist

Die Trennung der drei Geldströme ist nicht buchhalterische Pedanterie, sondern Voraussetzung dafür, dass das Modell funktioniert. Sie verhindert Vermischung von Interessen, die das Vertrauen in die Plattform untergraben würden.

Wenn etwa Mitgliedsbeiträge in den Betrieb von Diensten flössen, hätte der Verein ein Interesse daran, dass die Dienste laufen — und würde dadurch eingeschränkt, sie kritisch zu beurteilen. Wenn der laufende Betrieb aus Zuwendungen finanziert wäre, gäbe es keinen Druck, dass Dienste sich tatsächlich tragen — und unwirtschaftliche Dienste würden auf Kosten der Zuwender weitergeführt.

Die Trennung sorgt dafür, dass jeder Geldstrom seine eigene Logik bewahrt, und dass Entscheidungen über das eine nicht das andere belasten.

Ein Preis pro Dienst — für alle gleich

Mitglieder zahlen für die Dienste denselben Preis wie Nicht-Mitglieder. Diese Entscheidung verdient eine Begründung, weil sie auf den ersten Blick gegen das Prinzip spricht, dass Mitgliedschaft Vorteile bringen sollte.

Frühere Überlegungen sahen einen Mitgliederrabatt vor — Mitglieder sollten weniger zahlen, etwa zum Selbstkostenpreis, während Nicht-Mitglieder einen Aufschlag tragen. Dieses Modell wurde verworfen, aus zwei Gründen.

Erstens funktioniert ein Selbstkostenpreis nur, wenn sich Kosten exakt einem Dienst zuordnen lassen. Das ist bei mehreren Diensten in einer UG nicht möglich — Geschäftsführung, Buchhaltung, gemeinsame Infrastruktur lassen sich nicht sauber aufteilen. Ein Selbstkostenpreis wäre also immer ein Näherungswert, der das Versprechen nicht wirklich einlöst.

Zweitens — und wichtiger — ist Preisdifferenzierung eine zweite parallele Logik, die das Modell unnötig kompliziert macht. Sie wäre auch nicht nötig, weil Mitgliedschaft anderen Wert hat als einen Rabatt. Mitglieder bekommen Stimmrecht, Mitsprache und Schulung. Das ist substanziell und rechtfertigt den Mitgliedsbeitrag, ohne dass es einen Preisvorteil auf die Dienste braucht.

Die Konsequenz: Alle Nutzer eines Dienstes zahlen denselben Preis. Wer Mitglied ist, zahlt zusätzlich seinen Mitgliedsbeitrag — für die Mitgliedschaft, nicht für die Dienste.

Wie sich ein Dienstpreis zusammensetzt

Der Preis eines Dienstes deckt drei Kostenkomponenten.

Direkte Kosten sind die Kosten, die dem Dienst eindeutig zuzuordnen sind: Server, Storage, Lizenzen, dienstbezogene Entwicklungsarbeit, Admin-Stunden für diesen Dienst. Diese Kosten lassen sich präzise berechnen.

Anteilige Gemeinkosten sind die Kosten, die nicht einem einzelnen Dienst zuzuordnen sind, aber für alle Dienste anfallen: Geschäftsführung der UG, Buchhaltung, gemeinsame Infrastruktur, Pflege von Wunschbox und Bedarfsbörse, Sicherheit und allgemeine Wartung. Diese Kosten werden auf die Dienste umgelegt. Welcher Verteilungsschlüssel dabei verwendet wird — nach Umsatz, nach Nutzerzahl oder anders — wird im Lauf des Aufbaus festgelegt.

Ein moderates Polster sorgt dafür, dass die UG handlungsfähig bleibt — für Reserven, für Anlauffinanzierung neuer Dienste, für unvorhergesehene Ausgaben. Dieses Polster ist nicht Gewinn im klassischen Sinne, weil es nicht ausgeschüttet wird, sondern in der UG bleibt.

Die Schwäche der einen UG

Die Aufteilung der Gemeinkosten lässt sich nicht vollständig sauber machen. Wenn eine Geschäftsführerin einen Tag damit verbringt, die Gehälter zu rechnen, betrifft das alle Dienste — aber nicht in messbarem Verhältnis. Verteilungsschlüssel sind immer Näherungen.

Das ist die Schwäche eines Modells mit nur einer UG. Sie ist der Preis für die Stärke, dass kleine Dienste überhaupt möglich sind. Eine eigene UG pro Dienst hätte diese Schwäche nicht, dafür wäre sie für die meisten Dienste finanziell unmöglich.

strako.net entscheidet sich bewusst für die kleinere Schwäche — für die Lösung, die kleine Dienste ermöglicht und mit etwas Unschärfe in der Kostenzuordnung lebt.

Querfinanzierung — innerhalb der UG erlaubt, mit klarer Grenze

Innerhalb der gemeinsamen UG ist Querfinanzierung zwischen Diensten zulässig, wenn die Mitglieder das beschließen. Konkret kann das bedeuten: Ein etablierter Dienst trägt anteilig zu einem neuen oder kleineren Dienst bei, der allein noch nicht tragfähig ist.

Das schützt insbesondere kleine Nischendienste. Eine Plattform für 200 Spezialinteressierte würde in einem strikten Selbstfinanzierungsmodell nie entstehen können — die anteiligen Gemeinkosten allein wären zu hoch. Solidarische Querfinanzierung macht solche Dienste möglich.

Die Grenze: Sobald ein Dienst groß genug ist, dass er in eine eigene UG ausgegliedert werden kann (siehe Kapitel 10), endet die Querfinanzierung. In der eigenen UG trägt der Dienst sich strikt selbst.

Risikoreserve

Die strako.net UG schüttet zunächst keine Gewinne an den Verein aus, sondern bildet ein Polster für Grenzfälle und Übergangsphasen. Dieses Polster ist die Risikoreserve.

Sie hat mehrere Funktionen: Sie federt unerwartete Kosten ab (etwa einen Sicherheitsvorfall, der teure Maßnahmen erfordert). Sie ermöglicht eine Anlauffinanzierung für neue Dienste, falls Mitglieder das beschließen. Sie sichert die Zahlungsfähigkeit der UG auch in Phasen, in denen Dienste vorübergehend weniger Nutzer haben.

Da der Verein Eigentümer der UG ist, entscheidet die Mitgliederversammlung darüber, ob und wann die UG Gewinne ausschüttet. Sie kann den Aufbau der Reserve so steuern, wie sie es für richtig hält, und auf veränderte Lagen reagieren.

Geld kann zwischen Verein und UG in beide Richtungen fließen. Aus dem Fördertopf des Vereins wird bei freigegebenen Projekten Kapital in die UG eingelegt. Aus Reserven der UG kann an den Verein ausgeschüttet werden, wenn die Mittel dort besser eingesetzt sind. Beide Bewegungen sind Folge eines Mitgliederbeschlusses, nie einer geschäftsführenden Entscheidung allein.

Was passiert, wenn ein Dienst sich nicht trägt

Dienste, die sich dauerhaft nicht aus den Beiträgen ihrer Nutzer tragen, werden abgeschaltet. Mit einer Übergangsphase, in der Nutzer Zeit haben, ihre Daten zu sichern und Alternativen zu finden. Wie lang diese Übergangsphase ist, richtet sich nach dem, was die Nutzer brauchen — ein einfacher Dienst kann schneller abgewickelt werden als einer, dessen Daten aufwendig zu sichern oder zu migrieren sind.

Das ist hart, aber konsequent. Der Anspruch, dass jeder Dienst sich selbst trägt, ist nicht symbolisch gemeint. Wer ihn aufgibt, höhlt das Modell aus.

Vorausplanung soll diesen Fall verhindern. Die Berechnung der Mindestnutzerzahl vor dem Live-Gang, die schrittweise Inbetriebnahme nach erreichter Schwelle, die kontinuierliche Beobachtung der Wirtschaftlichkeit — all das sind Mechanismen, die Schieflagen vermeiden sollen, bevor sie entstehen.